Rezensionen

Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben (Dr. Eckart von Hirschhausen)

Zum Inhalt

Die großen Themen unserer Zeit in überraschenden Zusammenhängen Könnten wir es schöner haben als jetzt? Unbedingt! Und gesünder.
Wir leben besser und länger als jede Generation vor uns. Und doch sind wir verletzlicher als gedacht: Ein Virus hält uns in Atem und ungebremst schlittern wir in die Klimakrise. Langsam dämmert uns: Gesundheit ist mehr als Pillen und Apparate. Wir Menschen brauchen, um gesund zu sein, als Allererstes etwas zu essen, zu trinken, zu atmen. Und erträgliche Außentemperaturen.
Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde.
Eckart von Hirschhausen zeigt, was die globalen Krisen unserer Zeit für die Gesundheit von jedem Einzelnen von uns bedeuten. Er trifft Vordenker und Vorbilder und macht sich auf die Suche nach guten Ideen für eine bessere Welt. Warum kann man gegen Viren immun werden, aber nie gegen Wassermangel und Hitze? Wieso haben wir für nichts Zeit, aber so viel Zeug? Verbrauchen wir so viel, weil wir nicht wissen, was wir wirklich brauchen? Und wie viel CO2 stößt man eigentlich aus, wenn man über die eigenen Widersprüche lacht?
Dieses Buch ist eine Fundgrube von überraschenden Fakten, Reportagen, Essays und Querverbindungen.
Ein subjektives Sachbuch: persönlich, pointiert, gesund.
(Zitat Klappentext)

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Meine Meinung

Allein die optische Gestaltung von „Mensch, Erde!“ verrät, dass man sich mit diesem Wälzer intensiv beschäftigen sollte. Die Farben von Blau zu Rot an den Seitenrändern verdeutlichen die globale Erwärmung.

Ich kann gleich zu Beginn sagen, dass ich das Buch noch nicht komplett durchgelesen habe, das wird wohl auch noch etwas dauern. Aber ich habe in allen Kapiteln etliche Seiten gelesen, mir die Grafiken und Übersichten angeschaut und mir Gedanken gemacht. Dr. von Hirschhauen sagt zu Beginn selbst, dass, egal ob man das Buch am Stück oder immer mal wieder ein paar Seiten liest, man „Überdosierung vermeiden“ soll. (Zitat Seite 20) Das kann ich nur bestätigen. Ich habe beim Lesen immer wieder innegehalten, über das Gelesene nachgedacht, es verarbeitet, sacken lassen und versucht, etwas für mich daraus mitzunehmen und herauszufinden, was ich anders, besser machen kann.

Während ich an dieser Rezension gearbeitet habe, kämpften die Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gegen kaum bezwingbare Wassermassen. Seit Tagen unaufhörlich fallender Regen ließ Keller volllaufen, Straßen und Gärten überfluten, verwandelte ruhige Bäche in reißende Ströme.
Wetterextreme nehmen zu. Das erlebe ich hautnah mit. Während es in meiner Kindheit noch richtige Jahreszeiten gab, fehlte dieses Jahr irgendwie der Frühling. Die Sommer werden heißer und nasser und gehen fast nahtlos in sehr kalte oder zu milde Winter über. „Die Klimazonen verschieben sich und das bedeutet für die Tier- und Pflanzenwelt, dass die Blühzeitpunkte nicht mehr zum Lebenszyklus der Bestäuber passen.“ (Zitat Seite 259)

Vielen Kapiteln sind inspirierende Zitate vorangestellt. So zum Beispiel von Astronaut Alexander Gerst: „Ich dachte, der Weltraum sei ein besonderer Ort. Was ich da oben gelernt habe: Der wirklich, wirklich besondere Ort darin, das ist unser einzigartiger blauer Heimatplanet.“ (Zitat Seite 40) Allein diese Aussagen ließen mich nachdenken.

„Mensch Erde“ geht mit persönlichen Geschichten des Autors, Übersichten und Interviews auf unsere Ernährung und die Folgen fürs Klima, die fatalen Folgen der Verschmutzung und Temperaturerhöhung unserer Weltmeere, unsere Atemluft, Lebenszeit und vieles mehr ein. Dr. von Hirschhausen gelingt es wunderbar, fundierte Fakten interessant darzustellen und diese nachhaltig im Bewusstsein zu verankern. Ich persönlich habe sehr viel aus diesem Buch mitgenommen und kann sagen, dass es mich dazu bringt, mein eigenes Handeln zu hinterfragen und alltägliche Dinge zu ändern.

Dr. von Hirschhausen berichtet direkt zu Beginn von seinem lange gewünschten Treffen mit Jane Goodall. Diese Begegnung hat ihn so tief beeindruckt, dass eine Frage, die sie an ihn gestellt hat, zur Kernfrage für ihn persönlich und dieses Buch wurde: „Wie kann es sein, dass wir immer betonen, wie schlau wir sind, und dennoch unser eigenes Zuhause zerstören?“ (Zitat Seite 32)

Auch ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt:
– Warum essen so viele Menschen Avocados, obwohl für 1kg ca. 1.000 Liter Wasser verbraucht werden? 1kg Avocados sind übrigens ungefähr 4 Stück… Walnüsse enthalten genau so gesunde Fette wie Avocados (sogar noch mehr), wachsen zu dem hier und können lange gelagert werden. Schaut euch mal die Schautafel auf Seite 161 an.
– Warum rauchen so viele Menschen, obwohl für den Tabakanbau jedes Jahr mehr als 6.500 Hektar Wald gerodet und die Böden mit Pestiziden verseucht werden? Dass Rauchen ungesund und Geldverschwendung ist, lasse ich mal außen vor. 50 Jahre lang 20 Zigaretten am Tag = 1,4 Millionen Liter Wasser … (Seite 243)
– Warum werfen wir in Deutschland jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel weg, obwohl man die Hälfte davon noch essen könnte? (Seite 168)

Warum machen wir das? Warum lassen wir das zu? Warum handelt die Politik nicht?
Und viel wichtiger: Was kann ich tun? Wir gehen beispielsweise fast immer zu Fuß einkaufen, die Kleidung unseres Sohnes ist bis auf wenige Teile gebraucht gekauft, wir wickeln seit einer Weile zum größten Teil mit gebraucht gekauften Stoffwindeln (und trocknen diese nur an der Luft), wir haben unseren Fleischkonsum reduziert, verzichten auf Plastiktüten für Obst und Gemüse, sammeln beim Spazierengehen nebenbei Müll auf, … Wenn ich an die aktuellen Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz denke und „Mensch, Erde“ durchblättere, frage ich mich dennoch immer wieder „Reicht das?“ Dr. von Hirschhausen sagt am Ende, „Es lohnt sich zu kämpfen.“ (Zitat Seite 514) und wer zwischendurch mehr Motivation benötigt, empfiehlt er utopia.de und goodnews-daily.de, wo ich eben gelesen habe, dass die Käfighaltung von Nutztieren allmählich per Gesetz verboten und abgeschafft werden soll. Auf den Seiten 512 bis 514 gibt er zudem eine tolle Übersicht darüber, „Was sich schon alles tut“ (Zitat Seite 512).

Abschließend möchte ich euch noch ein Zitat mit auf den Weg geben, dass hoffentlich viele dazu motiviert, einfach anzufangen:

„Wenn alles miteinander zusammenhängt, ist es vielleicht gar nicht so entscheidend, wo man anfängt – Hauptsache, man fängt an. Denn jeder Schritt in die richtige Richtung zieht andere hinterher.“

Zitat Seite 511

Wir haben nur dieses eine Zuhause, lasst uns gemeinsam unser Zuhause retten, denn „wir könnten es so schön haben“! (Zitat Buchtitel)

Fazit

Übersichten, Interviews, eigene Geschichten – die Fakten sind in diesem aufwühlenden Buch sehr ansprechend aufgearbeitet. Es regt zum Nachdenken an, hinterfragt und macht Angst, treibt aber auch zum Handeln an. Was ich mir noch gewünscht hätte, wäre eine Übersicht mit ganz konkreten Tipps für Dinge, die jeder im Alltag integrieren kann, um etwas zum Umweltschutz beizutragen.

Mir persönlich hat das Buch gut gefallen. Ich kann ehrlich sagen, dass ich bewusster und mit offeneren Augen durch die Welt gehe, „Mensch Erde“ hat mich nachhaltig berührt und ich kann euch das Buch nur ans Herz legen.


Allgemeines zum Buch

Autor: Dr. Eckart von Hirschhausen
Verlag: dtv Verlag
Erscheinungsdatum: 18.05.2021
Seiten: 524
Genre: Sachbuch
Einzelband
Meine Bewertung: 4/5 Sterne

Unbezahlte Werbung, das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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